Die Idee
Als erstes muss natürlich eine Idee
her. Ohne Idee kein Comic.
Ich möchte meist irgendetwas Bestimmtes zeichnen und überlege
nur, in welchen Kontext ich es bringen kann, damit daraus ein Comic
wird. Manchmal erlebe ich auch etwas Interessantes, aus dem ich eine
Idee zu einem Cartoon oder Comic forme.
Bei einer längeren Geschichte überlege ich mir erst die Schluss-Pointe
und anschließend, wie ich die Handlung dazwischen gestalte. Hierbei
ist zu beachten, dass die Schluss-Pointe sich möglichst auch auf
den Anfang der Geschichte beziehen sollte, denn somit wird sie auch
in sich geschlossen. Die einzelnen Gags sollten immer zum Ende einer
Seite kommen, dann werden sie nicht durch durch Umblättern unterbrochen.
Bei einem kurzen Comicstrip wie diesem hier ist das alles nicht nötig,
denn es handelt sich ja nur um zwei Bilder.
Wenn die Idee steht, skizziere ich sie kurz, damit sie nicht verloren
geht. Hier rechts seht Ihr eine solche Skizze - das sollen Yoda und
Luke aus Star Wars sein. Meine Motivation war hier a) einen Comic mit
Yoda für meine Star Wars Parodie
zu malen und b) wollte ich gerne eine dunkle Siluette vor einem hellen
Höhleneingang zeichnen - ich dachte, das sieht sicher gut aus.
In meinem Unterbewusstsein trage ich die Idee nun mit mir herum und
verfeinere sie langsam, bis ich mich hinsetze und anfange, den Comic
zu zeichnen.
Die Zeichnung
Auf geht's: Die interessanteste Aufgabe
steht jetzt an: das Zeichnen!
Die Figuren und Hintergründe müssen alle gezeichnet werden.
Sind die Figuren neu, so fallen oft viele Skizzen an, bevor das Design
der Charaktere endgültig fest steht. Zum Skizzieren reicht natürlich
ein einfacher Bleistift (möglichst weich, also HB).
Wenn ich Tiere als meine Haupthelden nehme, schlage ich meist ein Tierbuch
auf und zeichne hier erst mal die Tiere ab. So erkenne ich die Besonderheiten
(Erkennungsmerkmale) dieses Tiers, anhand dessen es zu erkennen ist.
Diese Merkmale muss ich natürlich dann auch in meine Zeichnung
einbringen, damit jeder das Tier erkennt (mehr oder weniger schwierig,
je nachdem wie abstrakt die Comicfigur nachher aussehen soll).
Hier in diesem Fall wusste ich schon genau, wie mein Yoda aussehen soll
(genauso wie halt Yoda aus Star Wars), so dass ich nach zwei Skizzen
zufrieden war (1).
Aus
den fertigen Skizzen, die meist noch etwas detailarm sind, werden die
endgültigen Zeichnungen mit einem Fineliner (Pigmenttusche) oder
mit Feder und Tinte auf dünnes Papier oder Pauspapier durchgezeichnet
(2). Hierbei ist zu beachten, dass vor allem Tusche auf Papier verläuft
und ausfranzt; ich nehme bei Tuschezeichnungen demzufolge immer
Transparentpapier. Auch in dieser Phase tusche ich die Figuren teilweise
mehrfach, um unterschiedliche Varianten auszuprobieren. In diesem Beispiel
(2) war mit der linke Yoda im Gesicht zu fein, sein Umhang zu undeutlich
und auch sein Ausdruck und seine Haltung ziemlich schlecht, so dass
ich ihn erneut zeichnete. Die groben Linien und Umrisse tusche ich meist
mit einer Feder (das sieht dynamischer aus), für das Zeichnen der
Gesichter und für feine Linien greife ich dann zu den Stiften.
Man kann die Zeichnungen (Figuren und Hintergründe) in dieser Phase
entweder getrennt zeichnen, oder auch gleich ein komplettes Panel zeichnen.
Wer seinen Comic später im Computer nachbearbeitet, wird ersteres
bevorzugen, herkömmliche Comics werden besser gleich als fertige
Panel gezeichnet. Der Vorteil am Zeichnen von Figuren und Hintergrund
getrennt voneinander ist natürlich, dass man eine einzelne schlechte
Zeichnung schneller verwerfen kann, ohne dass auch der Rest verworfen
werden muss. Außerdem können die Figuren im Panel auch noch
einfach skaliert und positioniert werden, der Hintergrund kann auch
in anderen Panels verwendet werden.
Wurde Pauspapier verwendet, so muss man jetzt im Copy-Shop das Umkopieren,
um ein normales Papier zu erhalten, dass man anschließend colorieren
oder einscannen kann.
Die Colorierung
Am Einfachsten lässt sich ein Comic
natürlich auf dem Papier colorieren. Hierzu eigenen sich gut Copic-Stifte.
Aber auch Aquarell-Farben oder Acryl-Farben zeigen gute Ergebnisse und
geben dem Comic einen anderen Look. Am Computer ist ein Comic am schwierigsten
zu colorieren, bietet dafür aber auch die meisten Möglichkeiten
der Nachbearbeitung. Hier würde ich Adobe Photoshop zur Comic Colorierung
empfehlen.
Colorierung am Computer:
Hier habe ich die Hintergrundzeichnung
(1) in den Computer eingescannt und dort als erstes einfarbig coloriert
(2). Anschließend habe ich den Bäumen noch einen harten Schatten
gegeben (3), damit sie plastischer wirken und auch die schwarzen Linien
in der Hintergrundfarbe aufgehellt (3), damit die Figuren sich später
deutlicher vom Hintergrund absetzen.
Colorieren mit Copic-Stiften:
Copic-Stifte haben zwei Seiten: Eine Feine und eine Dicke. Sie ähneln
normalen Malstiften - die Farben bleiben aber länger flüssig,
so dass sie gut ineinander verlaufen. Man kann sie auch mehrfach auftragen,
so dass sich verschiedene Farben mischen lassen, es sieht aber
leider nicht so gut aus, als wenn man den Farbton direkt verwendet.
Also braucht man schon ein grosses Sortiment von mind. 30 Stiften, Profis
mind. 100 Stifte - bei einem Preis von ca. 4 Euro pro Copic-Stift schon
ein kleines Vermögen. (Sparsame Zeichner benutzen wenige Farben
und ändern diese später am Computer.)
Beispiele unterschiedlicher Colorierung:
Zusammensetzen
aller Einzelteile, Effekte
Dieser Schritt ist nur nötig, wenn
die Zeichnungen getrennt angefertigt wurden und noch in einem Panel
zusammengefasst werden müssen. Am Computer lassen sich die einzelnen
Bilder gut zurecht schieben (2); hat man das Panel schon komplett gezeichnet,
so hat man hierbei sein Pauspapier schon beim Durchzeichnen der einzelnen
Elemente immer in die richtige Lage gerückt, um die Figuren gut
im Bild zu platzieren.
Die Figuren müssen natürlich auch wie der Hintergrund coloriert
werden.
Hat man sich entschieden, das Comic im Computer zu colorieren, kann man hier gut auch noch verschiedene
andere Ebenen in das Bild einfügen, wie in (3) der Nebel oder auch
die Schatten der Figuren.
Fertig
Wenn alle Panels fertig coloriert und zusammengesetzt
sind, ist auch der Comic fertig. In diesem Fall sieht er wie folgt aus:

Mehr Comics dieser Art findet Ihr bei meiner Star
Wars Parodie.
Nun aber viel Spass beim Zeichnen Eurer eigenen Comics!
Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn ich Euch zum
Comic Zeichnen angeregt habe. Wenn dem so war, dann könnt Ihr Eure Werke
auf dieser Cartoon- und Comic-Community ausstellen: